W&V hat nachgefragt: So arbeitet es sich bei Interone

Das Interview ist am 24. November 2022 in der Onlineausgabe der W&V erschienen.

Achterbahnfahren - auch das gibt es bei Interone. Die Digitalagentur legt viel Wert darauf, dass sich die Mitarbeiter:innen wohl fühlen, entwickelt werden, voneinander lernen. Und dazu gehören eben auch Vorträge über die eigenen Hobbys.

Interone ist die Digitalagentur der BBDO-Gruppe. Für ihre Kunden entwickelt Interone Content, digitale Produkte, Services und Plattformen. Das Ziel: ganzheitliche, außergewöhnliche digitale Erlebnisse entlang der Customer Journey. An den Standorten Hamburg, München, Düsseldorf und Berlin betreut die Agentur mit ihren über 200 Leuten Konzerne wie VW, MAN und BMW, Mittelständler wie Dräger oder auch Start-ups. Chief Executive Officer der Interone und der Proximity Technology ist Boris Terwey. Die HR betreut Jana Fidel zusammen mit ihrem Team, darunter Johannes Ludwig, HR Manager Employer Branding. Die Fragen wurden von den beiden beantwortet.

Wie hat Corona den Arbeitsalltag Ihrer Agentur verändert?

Durch die verstärkte digitale Zusammenarbeit haben sich unsere Standortgrenzen über Hamburg, München, Düsseldorf und Berlin hinweg deutlich minimiert. Für uns ist heute viel weniger ausschlaggebend, wo unsere Talente sitzen – Expertise und Teamfit stehen im Mittelpunkt. Das Arbeiten auf anderen Projekten und Kunden oder der Wechsel in andere Bereiche sind dadurch noch flexibler geworden. Wir profitieren alle immens von dem intensiveren Austausch untereinander, unsere Kunden haben Zugriff auf ein breiteres Fachwissen und es entstehen für alle zahlreiche neue Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Die Veränderungen in der "klassischen" Agenturkultur haben auch wir natürlich gespürt. Erneut hat sich bestätigt, dass Zusammenhalt, gute Kommunikation, Achtsamkeit und (empathische) Führung im Mittelpunkt stehen müssen – insbesondere beim hybriden Arbeiten. Eine essenzielle Frage in diesem Zusammenhang ist für uns, wie wir die Identifikation mit den Menschen, der Kultur und der Firma ermöglichen, wenn der Arbeitsalltag zum Teil über digitale Tools und außerhalb der Büros stattfindet. Dafür haben wir an jedem Standort "Community Leads" benannt, die in Eigeninitiative mit und für alle Mitarbeitenden kleinere und größere Events organisieren und beispielsweise auch bei der Bürogestaltung mitwirken.

Was wird davon auch nach Corona bleiben?

Wir ermöglichen bei Interone weiter mobiles Arbeiten auf Basis eines hybriden Arbeitskonzepts. Für uns bedeutet das, sinnvoll und geregelt einen gemeinschaftlichen Office-Alltag mit den Chancen des mobilen Arbeitens zu kombinieren. Auf jeden Fall wird die standortübergreifende Form der Zusammenarbeit bleiben und mit entsprechenden Kommunikationsformaten und Events weiter gefördert.

Um allen auch nach der Pandemie Unterstützung anzubieten, bleibt unser Mental-Health-Angebot bestehen, das wir zu Beginn der Pandemie gruppenweit eingeführt haben. Dafür arbeiten wir mit einem Team von Psychologinnen und Psychologen zusammen, die Hilfe in schwierigen Lebenssituationen geben und an die sich Mitarbeitende direkt für vertrauliche Gespräche und individuelles Coaching wenden können.

Gibt es in Ihrer Agentur Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

Der steigende Fachkräftemangel, der die Dienstleistungsbranche ganz besonders betrifft, ist eine Herausforderung für unsere Recruiting-Aktivitäten. Vor allem bei Tech-Stellen oder im Bereich UX/UI sind wir noch gezielter und länger auf der Suche nach Talenten und sprechen diese darum direkt auf diversen Kanälen an.

Generell ist es wichtiger geworden, in der eigenen Kommunikation noch kreativer und sichtbarer bzgl. unserer Arbeitskultur zu werden, um die richtigen Menschen an den richtigen Touchpoints für uns zu begeistern. Das hat beispielsweise mit unserem Arbeitgebervideo (s.u.) im Stil eines Videosspiels super funktioniert und wird gerade in einem zweiten Teil fortgeführt. Darauf haben wir sehr viel positives Feedback bekommen, unter anderem von Bewerbenden.

Auch die Nachwuchsförderung besitzt für uns einen extrem hohen Stellenwert. Durch Hochschulkooperationen, aber vor allem mit unserem Praktikums-Programm "Bootcamp" unterstützen wir junge Talente beim Einstieg in die Arbeitswelt, um sie längerfristig bei uns zu halten. Bestandteil des Programms ist ein "Pitch"-Projekt, bei dem das gelernte Wissen angewendet und anschließend vor der gesamten Firma präsentiert wird. Der Erfolg des Bootcamps zeigt sich darin, dass wir im vergangenen Jahr 90 Prozent der Teilnehmenden als Werkstudierende übernehmen konnten.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starken Arbeitgebermarke?

Eine starke Arbeitgebermarke darf nicht behauptet werden - sie muss die real gelebte Kultur im Unternehmen reflektieren. Neben grundlegenden Aspekten wie Weiterbildungsmöglichkeiten, Gestaltungsfreiräumen und einer gemeinsamen Vision geht es natürlich darum, die eigenen Besonderheiten als Arbeitgeber zu erkennen, weiterzuentwickeln und für alle erlebbar zu machen. Eine glaubwürdige und nachhaltige externe Kommunikation kann nur auf Basis einer authentischen, gelebten Kultur gestaltet werden. Das führt erfreulicherweise dazu, dass unsere Kolleginnen und Kollegen sehr gerne von ihrer Arbeit erzählen, auch im Rahmen von Bewerbungsgesprächen mit neuen Talenten.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeit zu Sabbaticals, flexible jährliche Urlaubszeiten, flexible Arbeitszeiten?

Eine Besonderheit in der Agenturwelt ist unsere Überstundenregelung: Überstunden werden erfasst und können nach einer kurzen Absprache im Team abgebaut werden. Diese Betriebsvereinbarung wird gleichermaßen von den Mitarbeitenden aber auch von Bewerber:innen im Recruitingprozess wertgeschätzt.

Generell gilt es, für alle bei Interone die passenden individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu finden und zu fördern. Jedes Talent hat eigene Bedürfnisse, die wir individuell betrachten. Grundsätzlich bieten wir allen gleichermaßen Freiräume in der Arbeitszeiteinteilung sowie Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Zudem schafft unser hybrides Arbeitsmodell die Rahmenbedingungen dafür, mobiles Arbeiten von überall in Deutschland mit Büropflicht für bestimmte Aktivitäten, wie zum Beispiel Entwicklungsgespräche mit der Führungskraft, Sprintwechsel, Weiterbildungen und Kundenworkshops zu kombinieren. Wichtig ist, dass sich alle innerhalb der Teams besprechen und in Einklang mit der Kundenzusammenarbeit miteinander abstimmen.

Werden bei Ihnen Überstunden bezahlt?

Wie schon erwähnt bieten wir einen Überstundenausgleich ab der ersten Stunde. Zusätzlich sorgen wir durch gutes Prozessmanagement dafür, dass erst gar nicht übermäßig Mehrarbeit entsteht. Bedingt durch die verschiedenen Standorte der Interone, gibt es die Option, mit anderen Teams auf anderen Kunden bzw. Projekten zu arbeiten. Aber auch innerhalb der BBDO-Gruppe existieren zahlreiche Möglichkeiten, neue Kundenprojekte und Teams kennenzulernen, wir kollaborieren eng und sehr gut.

Gibt es die Möglichkeit zum Job-Tausch mit anderen Niederlassungen oder Partnerunternehmen? Gibt es die Möglichkeit für Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts? 

Um uns außerhalb des Kundengeschäfts weiterzuentwickeln und zu inspirieren, existieren z.B. unsere "Innoversities" bei denen Kolleginnen und Kollegen eigenständig ein Thema aufbereiten und der gesamten Firma präsentieren. Das können aktuelle Kundencases wie Metaverse, Twitch oder Data Analytics sein, aber auch persönliche Interessen. Zusätzlich engagieren sich unsere Kolleginnen und Kollegen innerhalb des BBDO-Netzwerks bei Diversity- und Nachhaltigkeitsinitiativen, um unsere Arbeitskultur mitzugestalten und generell gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Dadurch entstehen regelmäßige Events und Talks, z.B. anlässlich des Weltfrauentags und des Diversity Day oder Aktionen wie ein Interior Urban Gardening Projekt. Letzteres ist Teil unseres umfangreichen Umwelt- und Klimaschutzengagements, welches sich auch durch unsere gruppenweit zertifizierte Klimaneutralität und maßgeschneiderte Angebote für unsere Kunden auszeichnet.

Was bieten Sie Mitarbeiter:innen an außergewöhnlichen Incentives: Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine?

Besonders ist auf jeden Fall unsere jährlich stattfindende WE Conference, die wir zuletzt Ende Juni 2022 abgehalten haben. Für zwei Tage treffen sich die Kolleginnen und Kollegen aller Standorte, um sich zusammen durch Vorträge und Workshops weiterzubilden. Die Themen werden dabei, wie die "Innoversities", von unseren Mitarbeitenden für ihre Kolleginnen und Kollegen vorbereitet.

Die Vorträge sind dabei breit gefächert, sodass Themen wie "AI in der Kreation" und "App-Entwicklung" genauso vorgestellt werden wie "Achterbahnfahren als Hobby". Natürlich ermöglicht die Konferenz und die am Abend des ersten Tages stattfindende gemeinsame Sommerparty auch regen Austausch zwischen unseren Talenten und fördert Kultur und Community.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Wir erfassen Zufriedenheit in jährlichen Umfragen. Wichtiger sind allerdings die individuellen regelmäßigen Check-Ins zwischen Mitarbeitenden und Führungskraft. Neben einem großen Entwicklungsgespräch zum Jahresende gibt es in den meisten Fällen monatlich stattfindende Gespräche. Dort wird gemeinsam besprochen, wie es dem Talent geht, wie das Feedback aktuell aussieht, was sich in Bezug auf die individuellen Ziele getan hat und ob die besprochenen Entwicklungsmaßnahmen angepasst werden müssen. Neben Umfragen und 1:1 Gesprächen spielt bei uns auch der kontinuierliche vertrauensvolle Dialog der Mitarbeitenden sowie der Geschäftsführung mit dem Betriebsrat eine große Rolle.

Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?

Insgesamt haben wir einen Frauenanteil von 39 Prozent. Bedenkt man, dass etwa die Hälfte unserer Projekte im Bereich der Software-Entwicklung liegen, ist das eine gute Quote. Aber auch bei unseren Software-Engineers haben wir einen soliden Frauenanteil. Im Leadership-Team sind die Geschlechter schon jetzt paritätisch besetzt – eine Ausnahme in der Branche. Wo wir den Anteil unbedingt erhöhen wollen, ist auf der mittleren Führungsebene. Da sind wir noch nicht, wo wir sein wollen.

Und die Quote mit Blick auf die über 45-Jährigen?

Bei der Interone sind 28 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen über 45 Jahre alt.

Der Anteil der unter 25-Jährigen?

Inklusive Werkstudierende und Bootcamper sind 9 Prozent der Mitarbeitenden unter 25 Jahre alt.

Wie lange bleiben Mitarbeiter:innen im Schnitt?

Im Schnitt sind die Mitarbeitenden bei uns 5 Jahre und 9 Prozent sind schon seit über 20 Jahren dabei.

Was verdient bei Ihnen ein Junior im ersten Jahr?

Das Gehalt ist abhängig von der ausgeübten Rolle, wir orientieren uns zusätzlich am Markt.