Ein Jahr Homeoffice - Eine Zwischenbilanz

Gedanken von Boris Terwey.

Homeoffice für die ganze Agentur? Vor anderthalb Jahren undenkbar (gerade auch für mich), für uns bei der Interone und Proximity Technology aber nun seit einem Jahr problemlose Realität. Erste Gedanken hatte ich vor einigen Wochen bereits über LinkedIn geteilt. Jetzt ist es Zeit für eine ausführliche Zwischenbilanz: Was hat funktioniert, was nicht? Was bedeutet das für die Zukunft? Braucht eine Agentur in Zukunft überhaupt noch ein Büro?

Das schon einmal vorab:

  • Eine Agentur braucht auf jeden Fall ein lebendiges Büro
  • Homeoffice aber wird bleiben

Warum ist das so und wie können wir beides miteinander vereinen?

Warum braucht eine Agentur ein festes Büro?

Die effektivste Art der Zusammenarbeit für ein zahlenmäßig überschaubares Team ist immer noch die gemeinsame Arbeit in einem Raum. Keine Kommunikation ist so einfach wie schnell „über den Tisch“ zu fragen oder sich kurz gemeinsam an ein echtes Whiteboard zu stellen. Ein Brainstorming oder ein Workshop, mit Papier-Post-Its und eben auch viel Körpersprache, sind durch nichts zu ersetzen. Alle im Raum sind konzentriert und bei der Sache. Niemand spielt parallel Candy Crush oder räumt die Spülmaschine aus.

Und Agenturalltag geht ja auch weit über die reine Arbeit hinaus. Wir vermissen alle den privaten Plausch am Kopierer, die gemeinsamen Mittagessen, das spontane Bier nach der Arbeit. Genau diese gemeinsamen Aktivitäten sind es, welche die Basis für gefestigte Beziehungen und das entsprechend tiefe Vertrauen schaffen, die uns jetzt so stabil durchs Homeoffice und die Pandemie tragen.

Besonders dramatisch ist der Mangel an gemeinsamen Agenturleben natürlich für New Hires und Berufseinsteiger, insbesondere wenn sie auch noch neu in die Stadt gezogen sind. Gerade für sie ist ein persönlicher und realer Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ganz besonders wichtig.

Aber Homeoffice braucht auch Platz zuhause und nicht jede und jeder von uns hat daheim eine Umgebung, in der ungestörtes Homeoffice überhaupt möglich ist. Vor allem die Jüngeren wohnen häufig in WGs oder kleineren Wohnungen und haben nicht den Platz für optimale Homeoffice-Bedingungen.

Andere haben Kinder zu Hause und erleben eine immense Doppelbelastung durch gleichzeitiges Homeschooling und Homeoffice. An ein ruhiges Arbeitsumfeld ist in solchen Situationen nicht zu denken. Daher sehnen sich viele dieser Kolleginnen und Kollegen nach einer baldigen Rückkehr ins Büro.

Deshalb bleibt es für uns bei Interone und Proximity Technology auch in Zukunft wichtig und selbstverständlich, eine Arbeitsmöglichkeit im Büro zu haben.

Warum wird Homeoffice auch in Zukunft bleiben?

Die Corona-Situation hat uns aber auch gezeigt, dass Arbeiten aus dem Homeoffice eine gute Alternative ist und in vielerlei Hinsicht immense Vorteile hat.

Viele Kolleginnen und Kollegen schätzen die neu gewonnene Flexibilität durch das Homeoffice. So wird für manche die Kinderbetreuung deutlich erleichtert. Ein schnelles Bringen oder Abholen von Schule oder Kita stellt kein Problem mehr dar, ebenso wenig wie das gemeinsame Mittagessen zwischendurch. Und während mancher Calls ist das Einräumen der Spülmaschine kein Problem!

Viele genießen auch den Wegfall langer Fahrtzeiten. Kurzum, Homeoffice bedeutet für viele eine bessere Vereinbarkeit von Job, Familie und Alltag. Und auch der Umweltaspekt liefert ein deutliches Argument für vermehrtes Arbeiten von zuhause. Sei es durch weniger tägliches Pendeln oder – vor allem – den Wegfall von Flügen kreuz und quer durch die Republik für ein einstündiges Meeting. Hier haben wir alle gelernt, wie sehr Videokonferenzen viele Präsenzmeetings ersetzen können.

Und bei einer entsprechenden häuslichen Situation kann das Homeoffice auch der bessere Ort für konzentriertes Arbeiten sein. Kein „Hast Du mal fünf Minuten?“, sondern konzentriertes Arbeiten ohne häufigen Kontextwechsel. So lassen sich lange Texte schreiben, komplexe Themen durchdenken und so lieben es beispielsweise viele Programmiererinnen und Programmierer. Entsprechend wird Homeoffice in Zukunft noch deutlicher von Bewerbenden und Mitarbeitenden eingefordert werden.

Im Endeffekt bedeutet das Angebot von Homeoffice auch Zugriff auf einen wesentlich größeren Talent-Pool sowie eine einfachere Integration von Nearshoring-Kolleginnen und -Kollegen.

Wie sieht unser Modell der Zukunft aus?

Wir glauben an „best of both worlds” und wollen das zumindest ausprobieren. Heißt also: Eine sinnvolle und geregelte Kombination von gemeinschaftlichem Agenturalltag und Homeoffice ermöglichen.

„Geregelt“ bedeutet dabei, dass wir nicht spontan „auch mal wieder ins Büro kommen“. Vielmehr muss sichergestellt werden, dass wir an unseren Tagen im Büro auch die relevanten Kolleginnen und Kollegen aus unserem Team dort antreffen können. Es wird also feste, bindende Tage im Büro für bestimmte Teams geben. Diese können wahlweise jede Woche gleich sein oder mittels eines Planungstools gemeinsam abgesprochen und gebucht werden.

Die Büroräume selber werden ebenfalls an die neue Realität angepasst und für ein kollaboratives Miteinander optimiert, nicht auf möglichst viele Arbeitsplätze nebeneinander. Feste Sitzplätze werden wegfallen, dafür werden mehr Gemeinschaftsflächen entstehen. Persönliche Rollcontainer oder Spinte ermöglichen flexible „clean desks“ und Meetingräume werden nicht mehr von massiven Konferenztischen dominiert – sondern sind künftig vor allem Flächen für gemeinsames, kreatives Arbeiten mit viel Platz für Whiteboards und Pinnwände.

Ein zentraler Erfolgsfaktor wird die Vermeidung einer „Zweiklassengesellschaft“ (Büro vs. Homeoffice) sein. Schon jetzt gilt bei uns, dass bei Meetings entweder alle in einem Raum sind (natürlich mit Abstand und ggfs. Test) oder alle vor dem Laptop sitzen, auch wenn einige Teammitglieder gemeinsam im Büro sind. Niemand wird mehr „per Video dazu geholt“. Anderseits sollen Präsenzmeetings auch für die allermeisten verpflichtend gemeinsam im Office stattfinden.

Für die Zeit im Homeoffice wird – wie auch schon heute der Fall – eine besonders intensive Kommunikation zwischen Kolleginnen und Kollegen zentral bleiben. Dazu gehören bei uns tägliche Check-ins und -Outs oder eine kurze Mitteilung über den Start der jeweiligen Mittagspause. Auch das Einschalten der Kamera ist bei uns selbstverständlich und wird von allen erwartet.

Durch gegenseitiges Vertrauen und gemeinsames Ausprobieren haben wir in den vergangenen 12 Monaten extrem viel gelernt. Genauso wollen wir weitermachen und unser eigenes „Arbeitsmodell der Zukunft“ gemeinsam entwickeln.